Auszug aus dem Artikel
»Künstler im Schatten des Walzerkönigs«
„Er heißt eben Strauss, und in diesem Namen liegt allein seine Berechtigung.
Und so ist er denn hier, ohne dass er spielen oder komponieren könnte.“
Von Andreas Lernhart
Der Ruf seines Vaters, seiner Brüder deckt seine Talentlosigkeit, deckt sein schlechtes Spiel, sein ‚Hüpfen‘, sein ganzes verrenktes Wesen eines ‚Hampelmannes‘“. So harsch kritisierte das „Illustrierte Wiener Extrablatt“ vom 10.6.1874 den jüngsten der Brüder Strauss.
Zu diesem Zeitpunkt konnte Eduard auf fast 20 Jahre unermüdlicher und erfolgreicher Dirigenten- und Kompositionsarbeit zurückblicken. Das Publikum und selbst der Kaiserhof zollten ihm Anerkennung: Seit 1872 trug er den Titel „k. k. Hofballmusik-Direktor“. Die Wiener Presse aber stieß ihn immer wieder in den Schatten seiner Brüder zurück. Dabei hatte Eduard – wie sein Bruder Josef und ganz im Sinne ihres Vaters – ursprünglich eine Karriere außerhalb der Musikwelt angestrebt. 1835 geboren, war Eduard zehn bzw. acht Jahre jünger als seine Brüder und damit zunächst auch nicht dem Erwerbsdruck im selben Maße ausgesetzt. Zwar bekannte er sich in seinen „Erinnerungen“ (1906 im Deuticke-Verlag erschienen) zu seiner frühen Begeisterung für das Musiktheater, wo er die gefeierten Stars seiner Zeit wie die „schwedische Nachtigall“ Jenny Lind bewundert hatte.
Als Absolvent des Akademischen Gymnasiums strebte er aber den Konsulardienst an und bewarb sich um Aufnahme in die Orientalische Akademie (die Vorgängerin der heutigen Diplomatischen Akademie). Seine Sprachbegabung war offensichtlich, hatte er sich doch „in Latein und Griechisch vervollkommnet, ohne nebenbei die anderen romanischen Sprachen: Französisch, Italienisch und Spanisch in irgend einer Weise zu vernachlässigen” (Erinnerungen, S. 34). Kenntnisse im Englischen hätte er erst auf der Akademie erwerben wollen, es blieb auch in späteren Jahren „radebrechend“.
Gegen diese Pläne erhob Mutter Strauss „entschiedenen Einwand“, laut Eduard vor allem, weil für die ersten zehn Jahre der konsularischen Auslandstätigkeit kein Heimaturlaub vorgesehen war. Als Seele des Familienunternehmens dürfte Anna Strauss aber auch den Bedarf an weiterer Unterstützung für Johann konstatiert haben: Angesichts der seit 1851 gehäuften gesundheitlichen Zusammenbrüche Johanns wurde nach Bruder Josef nun auch Eduard im Sommer 1854 in die Musikerlaufbahn umgeleitet.
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