Auszug aus dem Artikel
»Gärten für das Volk«
Vom Gesundheitsgarten zum überlebenswichtigen Kriegsgemüsegarten, vom Paradies für jedermann zum biodynamischen Gartenglück: Wiens Schrebergartenkolonien sind seit über hundert Jahren fester und liebenswerter Bestandteil dieser Stadt.
Von Katharina Trost
Im bereits 1924 entstandenen Dokumentarfilm „Die grüne Stadt am Rosenhügel“, ein einzigartiges Zeitdokument der frühen Siedlerbewegung, ist auch der eingangs zitierte Otto Neurath zu sehen. Das heute noch existierende Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum (Richtigstellung 07.04.2026) im 5. Bezirk geht auf sein „Museum für Siedlung und Städtebau“ zurück. Heute ist Neurath in erster Linie als Erfinder der Bildstatistik bekannt – das Wien Museum widmete dem Thema erst kürzlich eine interessante Sonderausstellung.
Die Siedlerbewegung war nur ein kleiner Teil des ambitionierten sozialen Wohnprogramms vom Roten Wien und wurde letztlich von den mehrstöckigen Gemeindebauten in den gigantischen Superblocks, die auf kleinem Raum weit mehr Wohnraum schufen, überschattet.
Der Wunsch nach einem eigenen Garten blieb, sodass Kleingartenvereine weiterhin wuchsen und schließlich auch zum Inbegriff des Kleinbürgers wurden. So stieg die Anzahl an Vereinen über die Jahrzehnte, auch wenn manche Schrebergärten modernen Bauprojekten zum Opfer fielen. Ein prominentes Beispiel ist ein Teil der Schmelz, auf dem in den 1970er-Jahren unter anderem das Sportzentrum der Universität Wien errichtet wurde. Dennoch ist die Schmelz mit 659 Kleingärten immer noch die größte Kleingarten-Anlage Europas innerhalbeines verbauten Gebiets. Das 1920 eröffnete Schutzhaus „Zur Zukunft“ ist nicht nur ein beliebtes Lokal, sondern auch ein legendärer Veranstaltungsort. Eine Tafel erinnert dort an ein prominentes Ehrenmitglied: Dr. Adolf Schärf, 1957-1965 Bundespräsident der Republik Österreich. Der Sozialdemokrat lebte nach dem Ersten Weltkrieg einige Jahre in der nahen Wohnsiedlung Schmelz und verbrachte als passionierter Hobbygärtner viel Zeit in der Parzelle 77 der Gruppe V.
Lesen Sie mehr über „Wien und die Natur“ im gedruckten Magazin.




