Auszug aus dem Artikel
»Nathaiel, der ewige Junggesselle«
Tratsch blüht auf, vor allem, wenn es um Liebe und Geld geht. Nathaniel Rotschild galt als schrullig und unstet in seinen Plänen. Er war zu Lebzeiten weitgehend beliebt, aber nach seinem Tod kam es zu geschmacklosen Behauptungen über ihn.
Von Marius Pasetti
Ursprünglich sollte Nathaniel von Rothschild (1836-1905) das Familienunternehmen übernehmen. Der Großvater Salomon wollte das, doch Vater Anselm war dagegen, sodass sein Ältester sich gänzlich seinen Hobbies widmen konnte. Das tat Nathaniel mit großem Engagement. Die Konsequenz hierfür hätte noch Luft nach oben gehabt.
Sein Schloss in Enzesfeld soll er gleich wieder aufgegeben haben, da ihn die Angst plagte, es könnte dort spuken. Er lie. sich von Südtirol ein Jagdhaus nach Sommerein im Leithagebirge transferieren, aus dem er sofort wieder auszog, weil ihm der Wind in der Gegend zu stark war. Auch in Reichenau wollte er nicht bleiben. Die Gründe dafür sind nicht ganz eindeutig. Es mag sein, dass der Baron dem Luftkurort nicht mehr zugetan war, weil seine Schwester Alice meinte, die Residenz passe so ganz und gar nicht ins Raxgebiet. Seine Bautätigkeit wird des öfteren als Manie beschrieben (Genaueres zu den Residenzen finden Sie im Artikel auf Seite 28).
Nathaniel widmete sich hauptsächlich standesgemäßen Neigungen, und dazu zählte die Musik. Nach dem Vorbild der Adelskapellen ließ der vielseitige Gönner ein Hausorchester einrichten und zahlte fürstliche Honorare. Summa summarum, also inklusive Zulagen, wandte er j.hrlich an die 4.000 Kronen für seine Musiker auf (im Jahr 1900 rund 36.000 Euro).
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