Auszug aus dem Artikel
»Ein Habsburger an der Ringstraße«
„Durchaus ungewöhnlich ist die Tatsache, dass es an der Ringstraße ein Privatpalais eines Habsburgers gab. Und durchaus ungewöhnlich war auch die Persönlichkeit dieses Habsburgers, des jüngsten Bruders von Kaiser Franz Joseph namens Ludwig Viktor.“
Von Regina Engelmann
m diesen jüngsten Bruder mit dem Spitznamen „Luziwuzi“ ranken sich jede Menge Gerüchte. „Grundverschieden von seinen Brüdern … schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußeren“, so charakterisierte Fürstin Nora Fugger den am 15. Mai 1842 geborenen Bruder Kaiser Franz Josephs. Er hatte zwar tatsächlich kein einnehmendes Äußeres, jedoch ein unterhaltsames Wesen und eine spitze Zunge, was ihn zum gern gesehenen Gast vieler Salons machte. Wie zahlreiche andere Mitglieder des Kaiserhauses schlug er eine militärische Laufbahn ein und wurde zum Inhaber des nach ihm benannten Regiments Nr. 65. Ab 1861 fungierte er als offizieller Vertreter des Kaisers in Salzburg und wohnte ab 1866 in Schloss Kleßheim. An einer weiteren politischen Karriere war er nicht interessiert.
Die Heiratspläne seiner Mutter Sophie, unter anderem mit seiner Cousine Sophie, einer Schwester Kaiserin Elisabeths, oder mit der brasilianischen Kronprinzessin Isabel, zerschlugen sich. Der Erzherzog hatte zwar am weiblichen Geschlecht in gewisser Hinsicht Interesse – man sagte ihm „Pantscherln“ mit Schauspielerinnen und Tänzerinnen nach, und auf Laienbühnen verkörperte er weibliche Rollen in Frauenkleidern, wie einige Fotos beweisen – mehr noch faszinierten ihn aber junge Männer.
Er lud Offiziere zum Baden ein, ohne ihnen allerdings die dazu erforderliche Bekleidung bereit zu stellen, sodass sie im Adamskostüm vor dem ebenfalls nackten Erzherzog ins Schwimmbassin steigen mussten. Ein Konfident des Informationsbüros berichtete, dass der Erzherzog aufgrund seines unmoralischen Betragens „bereits impotent sei u. dass man sich daher nicht wundern könne, wenn er sich gerne mit Knaben abgebe.“ Einmal machte Ludwig Viktor einem Offizier im Wiener Centralbad in der Weihburggasse anzügliche Avancen und musste dafür eine Ohrfeige einstecken. Möglicherweise hatdieses Ereignis dazu beigetragen, dass Ludwig Viktor nur mehr zu seltenen Anlässen die Reichshauptstadt besuchte, was wiederum das Gerücht nährte, er sei von seinem Bruder nach Salzburg ins Exil geschickt worden. Da das Centralbad jedoch erst 1889 eröffnet wurde, konnte sich die erwähnte Szene also erst zu einem Zeitpunkt zugetragen haben, als Ludwig Viktor schon längst in Salzburg ansässig war.
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